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Kunstszene

Atelierbesuche in der Metropolregion

Das Düstere und das Geheimnis: Jens Hafner zwischen Melancholie und Hoffnung

Jens Hafners Bilder sind dunkel und wirken dadurch zunächst düster. Gleichzeitig sind die dargestellten Themen und Szenen hoch emotional und farbenfroh. Sie liegen zwischen Melancholie und Hoffnung. Jens Hafner bewies Mut, in dem er sein Leben völlig umkrempelte und sich ganz für ein Leben als Künstler entschied.

Fotos dieser Seite und Teaser: Jens Hafner

Sie haben Sie Ihren früheren Beruf zugunsten eines Leben als Künstlers aufgegeben. Woher nahmen Sie den Mut, sich für ein Leben als freiberuflicher Künstler zu entscheiden? 

Ich habe vor meinem Kunststudium eine konventionelle Berufsausbildung begonnen und hatte aber nebenher schon immer gemalt. Dann kam der Moment, an dem ich merkte, dass ich mein Leben so nicht verbringen möchte und mutig sein muss. Also habe ich es einfach umgedreht und die Malerei hauptberuflich ausgeübt, in dem ich mich für ein Studium an der Akademie beworben und nebenher gejobbt habe. So ist es bis heute geblieben und ich denke, es hat sich gelohnt, auch wenn es finanziell nicht immer leicht ist.

Wie hat sich Ihre künstlerische Ader das erste Mal gezeigt?
Ich denke, das ist ein Prozess und für mich schwer zu beantworten. In meiner Kindheit hatte ich schon sehr viel gemalt und das hat sich als Jugendlicher immer weiter verfestigt, bis ich als junger Erwachsener die Berufung verspürte.

Was waren die ersten, die entscheidenden Impulse für Sie, Bilder zu malen? Diese unglaubliche Freiheit und Möglichkeit, Bildwelten zu erschaffen, die es so noch nie gab und die ich erfunden habe.

Womit (Materialien/Themen) beschäftigen Sie sich in Ihrer Kunst?
In meinen Bildern geht es darum, eine gewisse Stimmung festzuhalten, die irgendwo zwischen Melancholie und Hoffnung angesiedelt ist. Ich benutze überwiegend eine düstere Farbpalette, um Spannung und ein Geheimnis zu erzeugen.

Woran arbeiten Sie aktuell?
Woran ich aktuell arbeite, unterscheidet sich nicht von gestern oder morgen. Man möchte einfach gute Bilder malen und das ist ein lebenslanger Prozess und jeder entwickelt dabei seine eigenen Schwerpunkte und Vorgehensweisen.

In welcher Stimmung fühlen Sie sich am besten auf das Malen eingestimmt?
Das Malen ist meine Arbeit und man hat nicht immer Lust zu arbeiten, muss es aber trotzdem machen. D.h ich fühle mich nicht immer in einer zum Malen gemachten Gefühlslage. Das kommt meistens während dem Arbeiten. Dann bin ich oft völlig im Bild und das ist sehr schön, klappt aber nicht immer :-)

Malen Sie jeden Tag?
Früher habe ich jeden Tag gemalt. Seit ich alleinerziehender Papa bin, bleibt leider nicht mehr ganz so viel Zeit für die Malerei.

Wie entscheiden Sie, welches Bild Sie malen? Ergibt es sich spontan oder handelt es sich um einen geplanten Prozess, stehen also das Thema, die Farben, die Bildaussage vorher fest?
Es gibt so eine Ahnung in welche Richtung es gehen könnte. Diese brauche ich ja, um beginnen zu können. Mir ist aber bewusst, dass am Ende von dieser ursprünglichen Ahnung nicht mehr viel übrig sein wird, d.h eine Idee ausprobieren und erfolgreich sein oder scheitern und die nächste Idee versuchen zu realisieren. Das ist wie im realen Leben!

Welcher Aspekt Ihrer Arbeit bedeutet Ihnen am meisten?
Das Düstere und das Geheimnis um das Bild.

Der Fotograf SteveMcCurry formulierte einmal: „Die Fotografie ist eine einsame Kunst.“ Empfinden Sie das Malen auch als einsam?
Das Malen an sich ist einsam. Allerdings ist es nicht einsam, im Atelier vor einem Bild zu stehen mit der Möglichkeit des Scheiterns oder des Richtigmachens. Wenn es darum geht, eine Bildwelt zu erschaffen, begegnet man manchmal Verlockungen, denen man widerstehen muss, weil sie nur kurz funktionieren. Man muss wachsam sein und ist mit seinen Gedanken auf der ganzen Welt unterwegs, um verwertbare Dinge zu finden. Das wiederum ist nicht einsam.

Inwiefern bereichern Ihr Wohnort und das Umfeld Ihren gestalterischen Ausdruck?
Ich lebe in Hirschhorn am Neckar und in Speyer, aber diese Orte stehen nicht im Zusammenhang mit meiner Arbeit, zumindest nicht bewusst. Meine Bildwelten sind frei erfunden, was mir sehr wichtig ist. 

Kürzlich sprach ich mit einem Künstler, der seine Bilder immer wieder übermalt und bezeichnet sie nie mit dem abschließenden Status „fertig“. Tun Sie dies auch und wann gilt ein Bild für Sie als „fertig“?
Es gibt da diesen höchst beglückenden Moment, wenn man feststellt...Es ist gut und fertig! Dann male ich in der Regel nicht mehr daran weiter und beginne ein neues Bild. Was hin und wieder vorkommt ist, dass ich ein sehr altes, weniger gutes Bild übermale und manchmal davon eine gute Stelle als Ausgangpunkt nehme. Aber die Bilder der letzten beiden Jahre werden vermutlich überleben ;-)

Ihre Bildtitel bestehen meist aus einem Wort, sind mal deutsch mal englisch. Wieviel Gewicht verleihen Sie dem Titel?
Nicht sehr viel! Es gibt ja die Möglichkeit, über den Titel einen Zugang zu einem Bild zu finden oder aber in die Irre zu führen :-) Hauptsächlich braucht aber ein Kunstwerk einen Titel, damit man weiß, um welches Kunstwerk es sich handelt, wenn man darüber spricht. Ich habe da kein festes Muster entwickelt, das ist eher ein Bauchgefühl.

Wer ist Ihr/e Lieblingskünstler/in und weshalb?
Das kann ich nicht wirklich beantworten aber eine Zeit lang zu Beginn meines Studiums, fand ich einige Maler der Leipziger Schule sehr interessant.

Was haben Sie sich für dieses Jahr noch vorgenommen?
MALEN und mich auf die Landeskunstschau Rheinland-Pfalz Flux4art freuen, bei der ich dabei bin. Die Landeskunstschau Rheinland-Pfalz findet an drei historischen Orten statt. Ich selbst stelle im „Forum Alte Post“ in Pirmasens aus. Ich bin dort mit zwei Werken vertreten. Die Eröffnung ist am 8.11.2020.

Angenommen, Geld spielt keine Rolle und die Corona-Pandemie ist weltweit überstanden. Wo würden Sie Ihre Kunst gerne einmal ausstellen? 
Im Museum Ludwig in Köln.

Warum ist dieser Ort so bedeutsam für Sie?
Er ist einfach perfekt von Licht und Architektur.

 

Vielen Dank für unseren bereichernden Austausch! (Das Interview wurde schriftlich geführt).  

Das Interview führte Isabelle 

 

 

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Teaser : "Entfernung", 70 x 50 cm, Öl und Acryl auf Leinwand, 2020

Titelbild: Blick ins Atelier

Porträt Jens Hafner

Farbentisch

"Wall", 220 x 150 cm, Öl auf Leinwand, 2020

"Entfernung", 70 x 50 cm, Öl und Acryl auf Leinwand, 2020

Blick ins Atelier


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