Kunstszene

Philipp Frank auf Gratwanderung zwischen Kunst und Philosophie

Ein ARTIMA-Interview aus der Reihe #digitalart- Die Kunst mit Licht zu malen"

Durch geheimnisvolle Lichtprojektionen in der Natur und atemberaubend schöne Video Mappings mit fulminantem Farbenspiel zieht der Lichtmagier Philipp Frank die Zuschauer in seinen Bann und lässt sie in seine berauschende Gedankenwelt eintauchen. Für ihn ist die Kunst eine Vermittlerin des Unaussprechlichen, da sich Kunst nur schwer in Worte fassen lässt. Aus diesem Grund gibt Philipp Frank auch nur sehr selten Interviews. Für die ARTIMA-Interviewreihe #digitalart- Die Kunst mit Licht zu malen machte er im Gespräch mit der Kunstkuratorin und ARTIMA-Gastautorin Ánh Nguyen eine Ausnahme.

Philipp Frank beim Austesten der besten Lichtverhältnisse (Foto: Philipp Frank)

Als Kind wollte Philipp von Beruf Gangster oder Polizist werden, weil ihn die Kombination aus Gefahr und Abenteuer reizte. Diese Faszination vereinte sich später mit der Kunst, als er mit 14 Jahren das Sprayen für sich entdeckte und mit seinem Bruder die ersten Erfahrungen als Graffiti und Street Art Künstler sammelte. Es war eine wilde und adrenalingeladene Zeit, in der er viele Aktionen filmte und die entstandenen Kunstwerke, wann immer es möglich war, fotografisch festhielt. So lernte Philipp recht früh den professionellen Umgang mit der Kamera, um sein digitales Tagebuch mit Videos und Fotos zu füllen. Die ständige Gefahr, beim Sprayen erwischt zu werden, befeuerte durch den Nervenkitzel seine Kreativität. Zusätzlich war manchmal Improvisationstalent gefragt, da die Gegebenheiten vor Ort aufgrund des Wetters oder einer rauen Wand nicht optimal für Graffitis waren.

Diese Herausforderungen ergaben zusammen mit seiner Ausbildung zum Grafikdesigner einen lehrreichen Weg zur Entwicklung seiner kreativen und handwerklichen Skills. Über die Jahre eignete sich Philipp Frank eine gelassene Flexibilität an, mittels derer er heute selbst unter unerwarteten Bedingungen authentisch und mit spielerischer Leichtigkeit Raum für seine Visionen schafft.

Nachdem er bereits Anfang der 2000er Jahre als VJ tätig war, stieg er 2015 mit einem Kunstvideo erneut in die Digitale Kunst ein. Das zum Teil in Stop-Motion-Technik gefilmte Video, welches damals in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Felix entstand, zeigt eine kreative Symbiose zwischen figürlicher Malerei auf einem Wandschrank und einem darauf projizierten Video Mapping.

Warum entweder oder, wenn beides geht?

Kunst und Handwerk sind im Grunde unzertrennlich und bilden bei Philipp Frank einen Dreiklang mit der Technik. Als multidisziplinärer Künstler ist er in allen drei Bereichen zu Hause und bedient sich zahlreicher verschiedener Methoden und Materialien. So kombiniert er analoge Maltechniken wie Sprayen, Zeichnen oder das Arbeiten mit Aquarellfarben mit seinen digitalen Fähigkeiten beispielsweise zu Video Murals.

In seinen Lichtskulpturen spiegelt sich die Verbundenheit mit der Natur wider. Sie bringen erneut zum Ausdruck, dass Philipp natürliche Gegebenheiten und äußere Umstände nicht als Hindernisse, sondern vielmehr als Basis seines Kunstschaffens betrachtet. Daher liegt es nahe, dass der Künstler seine Inspirationen für Visual Art oft im Wald, beim Wandern oder bei der Anfertigung von Landschaftsfotografien findet. Sowohl große und als auch winzige Pilze dienen ihm als Leinwand und selbst Totholz wird durch schillernde Projektionen wieder zum Leben erweckt. Um anschließend aus einer Idee ein Konzept zu entwickeln, fertigt er meist schnelle Bleistiftskizzen an, um auf diese Weise verschiedene Varianten durchzuspielen. Für die Umsetzung seiner Projekte begibt er sich auch auf Entdeckungsreisen in die Ferne. In Koh Phangan/Thailand verwandelte er mit atemberaubenden Lichtprojektionen Felsen am Strand in magische Skulpturen.

Unebene Oberflächen und verschiedene Projektionswinkel werden durch sorgfältige Planung in seine Konzepte implementiert. In seinen neuen Projekten arbeitet Philipp auch mit Leuchtobjekten und LEDs. Auf diese Weise kann die Kunst als Lichtinstallation direkt in die Architektur integriert werden und beides agiert interaktiv miteinander.
 

Fotos dieser Seite: Copyright Philipp Frank

Warum der Lockdown auch positive Seiten hatte

Die Corona-Pandemie und der Lockdown im Frühjahr 2020 gingen an der Kulturwelt nicht spurlos vorüber. Auch Philipp Frank verlor zunächst internationale Aufträge in New York, China und Istanbul. Aber wo Schatten ist, findet sich auch Licht. Denn letztendlich wurden viele Projekte zu einem anderen Termin doch noch nachgeholt oder die Umsetzung ist in naher Zukunft angedacht. Das gilt auch für sein Herzensprojekt, das ursprünglich im Sommer 2020 Premiere gefeiert hätte und nun voraussichtlich 2022 erstrahlen wird. Darauf freut sich Philipp am meisten. Es handelt sich um seine erste immersive Produktion, welche das Publikum in einen unvergesslichen Erlebnisraum führen wird. Darüber hinaus nahm der Visual Artist den Lockdown für sich positiv wahr, da er nun Zeit und Ruhe hatte, um langgehegte Ideen umzusetzen. Im Gegensatz zu den bisherigen temporären Video Mappings und audiovisuellen Events widmete er sich seinen ersten permanenten Arbeiten. Es entstand eine Serie leuchtender in die Architektur integrierbarer Kupferinstallationen, die sich allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda schnell verkaufte.

In den sozialen Medien hat der Lichtkünstler längst eine stetig wachsende Fanbase. Aufgrund seiner innovativen Ideen und atemberaubenden Projection Mappings erhält er internationale Anfragen für Events und private Aufträge. In seinem Studio Lumatar entstehen zukünftig weitere leuchtende Kreationen, die dem Publikum wortwörtlich Kunst in neuem Licht zeigen.

Warum Philipp Frank mit Kunst arbeitet

Ob seine Leuchtobjekte durch fremde Meinungen als Kunst oder als Designobjekt empfunden werden, spielt für Philipp keine wichtige Rolle. Er möchte dem Betrachter freien Raum zur Beurteilung lassen. Als spiritueller Mensch beschäftigt er sich viel mit Natur und Meditation. Mit seiner Arbeit möchte er die Menschen im Herzen und in der Seele berühren. Letztendlich geht es in der Digitalen Kunst schließlich um audiovisuelle und immersive Erlebnisse, die den Betrachter gänzlich in die Welt des Künstlers eintauchen lassen. Der sich wiederholende Video-Loop steht hier stellvertretend für den Kreislauf von Entstehung und Zerfall. Er symbolisiert somit den Lauf der Zeit und die ungeschriebenen Regeln, denen die Natur und das gesamte Universum unterliegen.

Goethe hat dies einst sehr passend zusammengefasst: "Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst, und man verknüpft sich nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst.“[1] und das ist genau der Grund, warum Philipp Frank mit Kunst arbeitet.


Text von Gastautorin: Ánh Nguyen
© Ánh Nguyen | Art Management & Consulting 

 

[1] Johann Wolfgang von Goethe: Maximen und Reflexionen. Berliner Ausgabe. Kunsttheoretische Schriften und Übersetzungen [Band 17–22], Band 18, Berlin 1960 ff, S. 479.

 

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