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Kunstszene

Stillleben New York

Zwei Stuttgarter Galeristen erlebten die Stadt zur Kunstmesse VOLTA 2020 auf andere Weise. Thomas Fuchs erzählt.

Messestand der Galerie Thomas Fuchs auf der VOLTA in New York 2020 (Foto: Galerie Thomas Fuchs)

New York City: Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Stadt, die niemals schläft. Eigentlich.

Als Thomas Fuchs und Andreas Pucher kurz nach der art Karlsruhe Ende Februar 2020 in New York City landeten, erlebten sie die Stadt genau als das, wofür sie berühmt ist: Voll, laut, lebendig, voller Energie. Die beiden Geschäftsführer der Galerie Thomas Fuchs in Stuttgart freuten sich riesig auf die Kunstmesse Volta (04. bis 08. März), auf ihre Termine mit Künstlern, darauf, neue Künstler kennenzulernen und bekannte wieder zu treffen, Kunst zu verkaufen und auch zu kaufen. Ihr Aufenthalt unter dem Kunststern startete auch genauso erfolgreich wie gedacht, obwohl vor Abreise die Nachrichten voller Meldungen über ein neuartiges Virus waren.

In Wuhan, China, wütete das Coronavirus, eine Einreisesperre in die U.S.A. war bereits verhängt. Bilder von Menschen mit Schutzmasken, in Astronautenkleidung und von den vielen Toten machten sie nachdenklich. „Ob das Virus auch genauso in den U.S.A. oder Europa ausarten würde?“, fragten sich die Galeristen. Doch irgendwie war China weit weg und der Gedanke daran erst einmal verschoben, obwohl in Frankfurt am Flughafen bereits vereinzelte Reisende mit Mundschutz zu sehen und eine geringe Zahlen von Erkrankten in Deutschland gemeldet waren. „In den U.S.A. sind wir sicherer als in Deutschland“, dachten die zwei.

Der Preview-Tag der Volta am 3. März startete unglaublich gut, die Stimmung war erstaunlich ausgelassen und fröhlich unter den zahlreichen Besuchern. „Andreas und ich vertieften bestehende Kontakte, knüpften neue, verkauften Werke, hatten Freude und erreichten sehr zufrieden und beschwingt im Anschluss das Hotel. Dort angekommen, kannten die Medienanstalten plötzlich kein anderes Thema mehr: Das Coronavirus hatte New York erreicht.“

So ergab der erste reguläre Messetag am 4. März ein völlig anderes Bild als noch der Preview-Tag zuvor: Die Gänge waren so gut wie leer, die Besucher blieben aus. „Ein merkwürdiges Gefühl. Alles war so unwirklich. Man roch nichts, man fühlte nichts. Und trotzdem lag etwas in der Luft.“

Die Messeleitung hatte von Anfang an gut vorgesorgt und stellte jedem Aussteller ausreichend Desinfektionsmittel zur Verfügung. Hinweisschilder machten auf die notwendigen Hygieneregeln aufmerksam und man bat darum, den Quarantäneraum aufzusuchen, sollte sich jemand plötzlich krank fühlen.

„Wir hatten zwar keine große Angst aber beschlossen, die Hygienemaßnahmen strikt zu befolgen und genügend Abstand auf der Messe von anderen Menschen zu halten. Masken gab es nicht mehr zu kaufen. Also fuhren wir keine U-Bahn mehr, vermieden so gut wie möglich alle Kontakte und sagten geplante Termine ab, die U-Bahn-Fahrten erfordert hätten.“

Die Messe blieb über die gesamte Zeit regulär geöffnet, doch die Stimmung war verändert. Am Wochenende gab es zwar wieder mehr Besucher und auch Verkäufe, aber die unbeschwerte Anfangsstimmung war verschwunden. Das Thema, das ausgesprochen oder unausgesprochen über allem lag, war das Coronavirus. „Schade, dass sich der Aufenthalt im Zuge dieser Dramatik dann anders entwickelte. Aber wir sind sehr dankbar und froh, dass wir gesund wieder nach Deutschland zurückkamen. Dennoch war New York eine interessante, positive Zeit für uns. Die Einschränkungen und die Stimmung betrifft alle. Insofern kam es zu viel Austausch mit unbekannten Menschen und einem Verbundenheitsgefühl. Bei aller Tragik der Situation lernten wir zu Fuß sehr viel und viele unterschiedliche Perspektiven von New York City kennen, spazierten auf einer ungewohnt wenig bevölkerten 5th Avenue und weiteren Straßen, die man sonst voller Menschen und Autos kennt.“

Der John F. Kennedy Airport – so wenige Menschen hatten die beiden dort noch nie erlebt.
Der Flieger zurück nach Deutschland – nur zu geschätzt einem Drittel besetzt.

Thomas Fuchs und Andreas Pucher landeten wohlbehalten kurz vor der Kontaktsperre Baden-Württembergs wieder in Deutschland und sind bis zum heutigen Zeitpunkt gesund.


Mehr zur Galerie Thomas Fuchs:

Thomas Fuchs: Arbeitete früher im Produktionsbetrieb seiner Eltern in Österreich. Über seinen Partner und die gemeinsame Sammelleidenschaft kam er zur Kunst und letztendlich zu seinem neuen Beruf als Galerist.  Künstler zu sammeln, den Kunstmarkt zu beobachten und sich mit zeitgenössischer Kunst zu beschäftigen, bereitete ihm so große Freude, dass er sich entschied, selbst eine Galerie zu eröffnen. Heute blickt er auf acht erfolgreiche Jahre als Galerist mit durchschnittlich acht Galerieausstellungen und mehreren Messebeteiligungen pro Jahr zurück. Portrait Thomas Fuchs (Foto: Silicya Roth)


Andreas Pucher: Ursprünglich Jurist und schon Jahrzehnte leidenschaftlicher Kunstsammler. Zur Galerieeröffnung unterstützte er Thomas Fuchs zunächst, entschied sich 2018 dazu, seinen Beruf als Anwalt an den Nagel zu hängen und sich dem Leben als Vollzeit-Galerist zu widmen.

Kyra Brühl: Galerieassistenz mit Studium der Kunstgeschichte. Kümmert sich mit ihrem Fachwissen u.a. um die Pressearbeit der Galerie.

Vertretene Künstler ( Auswahl ): Patrick Angus ( Nachlass ), Rainer Fetting, Ruprecht von Kaufmann, Jochen Hein, Jan De Vliegher, Mona Ardeleanu, Yongchul Kim




Galerie Thomas Fuchs in Stuttgart (Foto: Alexander Fuchs)

Das Interview führte Isabelle 




 


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