Zum Inhalt wechseln

Kunstszene

Was kann und darf Kunst?

Ein ethischer Grundriss - Lesung von Prof. Dr. Dagmar Fenner (Universität Basel)

Ethische Auseinandersetzungen betrafen bisher ganz unterschiedliche Lebensbereiche. Bis jetzt gab es jedoch noch keine systematische Auseinandersetzung mit der Ethik der Kunst, dabei stellt sich die Frage nach dem 'Was kann und darf Kunst?"

Foto: Mannheimer Versicherung AG

Wenn Kunst – vermeintliche – Grenzen überschreitet, die ästhetisch oder moralisch begründet werden, liegen private und öffentliche Auseinandersetzungen, Proteste oder Skandale nahe, in denen sich Fragen wie diese stellen: Darf Kunst das? Wozu gibt es Kunst eigentlich? Welche Rolle spielt Kunst in unserer Gesellschaft? Welche positiven Aspekte stecken in ihr und welche Effekte können die verschiedenen Formen von Kunst auslösen?

 

 

Mit Fragen des Schaffens und der Rezeption von Kunst hat sich Prof. Dr. Dagmar Fenner ausführlich in ihrem Buch "Was kann und darf Kunst?" auseinandergesetzt. Im Rahmen der insgesamt dreiteiligen Lesereihe "Kultur_Lesen" im Mannheimer Kunstverein gab sie an einem Abend rund 40 Besuchern Einblick in ihre Gedanken. Einerseits sind diese biografisch bedingt – Fenner ist Philosophin, Künstlerin und Kontrabassistin– , andererseits tatsächlich nötig: "Ethische Auseinandersetzungen betrafen bisher ganz unterschiedliche Lebensbereiche. Bis jetzt gab es jedoch noch keine systematische Auseinandersetzung mit der Ethik der Kunst, dabei stellt sich die Frage nach dem 'Was kann und darf Kunst?' in unterschiedlichen Kontexten des heutigen Lebens", so Fenner. Zu unterscheiden ist immer die individual-ethische Perspektive des guten Lebens des Einzelnen und die sozialethische, moralische Philosophie mit positiven Effekten aber auch negativen Auswirkungen, die nicht nur ein Individuum, sondern unsere Gesellschaft betreffen können.

Kunst kann laut Fenner mindestens neun positive Funktionen erfüllen: Sie kann zum Beispiel helfen, aus dem Alltag auszubrechen, Ablenkung zu erfahren, sie kann zu Glücksgefühlen verleiten, die Wahrnehmung fördern, Menschen auf bestimmte Grunderfahrungen vorbereiten, die Phantasie anregen oder, z.B. in Form von Musik, die Seele reinigen. Die Liste lässt sich weiter fortsetzen. 

Wo liegen jedoch ihre Grenzen? Darf Kunst alles, was sie kann? Statt nur einen konstruktiven Dialog, eine kurze Debatte auszulösen, entstehen schnell tiefe Gräben in der Gesellschaft, beispielhaft seien hier die berühmt gewordenen dänischen Mohammed-Karikaturen genannt. Einst ästhetische Kunstwerke, bauten diese immer mehr auf eine sensationsheischende Darstellung, die diskriminierende Klischees erfüllten - was ethisch problematisch ist.   

Eine einstündige Lesung kann nur einen raschen Einblick in ein so komplexes Thema bieten. Wer sich für mehr interessiert, ist eingeladen, sich in "Was kann und darf Kunst?" zu vertiefen. Klar ist, der Empfänger von Kunst muss aufgeklärt und kommunikativ sein, um sie hinterfragen und dann auch noch entsprechend diskutieren zu können.

Die Veranstaltung wurde von ARTIMA gefördert.


Kommentare
Michael Mahla

die Verschiebung der Kultur Werte in die Ökonomie ist bereits abgeschlossen. Ohne Diskussion wird m.E. der Restkultur Anstand und Cooperation auferlegt. Dabei befindet sich die Kunst schon längst auf dem Rückzug in die Reservation und in den Gräben in der Gesellschaft befinden sich nicht diejenigen, die sie gegraben haben. Um die Frage mit Beuys zu erweitern Die Kunst ist eine Waffe gegen den Feind. Wer ist der Feind? lg

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar und nehmen Ihren Beitrag ernst. Damit wir dies schaffen, bitten wir um einen kultivierten, respektvollen Umgang miteinander.

Zum Anfang