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Kunstszene

Fotosymposium am 24. und 25. Januar 2019

Fotografische Sammlungen im Wandel – analog, digital, mixed media. Tagung im Münchner Stadtmuseum

An zwei Tagen Ende Januar dieses Jahres fand ein mit hochkarätigen Referenten besetztes Fotosymposium im Münchner Stadtmuseum statt. Die Veranstaltung wurde von der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums, der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern sowie den beiden Fotorestauratorinnen Christine Rottmeier-Keß (Stadtmuseum) und Marjen Schmidt organisiert.

Vortrag Dr. Ulrich Pohlmann // Foto: Mannheimer Versicherung AG

Die von der Fachwelt dankend angenommene Veranstaltung war auf 250 Teilnehmer begrenzt und bis auf den letzten Platz ausgebucht. Der Leiter der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums, Dr. Ulrich Pohlmann, wies in seinem einleitenden Vortrag darauf hin, dass bereits vor 25 Jahren unter seiner und Frau Marjen Schmidts Organisation ein Fotosymposium im Münchner Stadtmuseum stattgefunden hatte. Die Veranstaltung hatte damals den Forschungsstand über das Bewahren und Erhalten von überwiegend analogen Fotografien behandelt.

Das aktuelle Fotosymposium widmete sich nun vor allem den musealen Herausforderungen im Sammeln, Bewahren und Präsentieren von Fotografie im digitalen Zeitalter. Die Veranstalter konnten für das Symposium namhafte Kuratoren internationaler öffentlicher und privater Sammlungen als Vortragende gewinnen.

Am ersten Symposiums-Tag stellten die Vortragenden die materielle Vielfalt ihrer Bestände vor und referierten über die neuen Herausforderungen beim Sammeln digitaler Fotografien. So wurde beispielsweise die Problematik des rasch einsetzenden Alterungsprozesses von digitalen Fotodrucken erörtert, der mit deutlich sichtbaren Farbveränderungen einhergeht. Häufig werden Arbeiten von bekannten Fotokünstlern wie beispielsweise Cindy Sherman, Jeff Wall oder Andreas Gursky nach eingetretenen Farbveränderungen vom Künstler gegen einen Neuabzug ausgetauscht. Vor allem die Frage nach der Originalität der Arbeit nach dem Neuabzug beschäftigte die Anwesenden. Dabei reichen die von den Künstlern ausgetauschten Arbeiten von Abzügen auf anderem Papiermaterial, unterschiedlicher Fotodrucktechnik bis hin zu kleinen nachträglich eingefügten kompositorischen Änderungen. Die Fragen hierzu waren: Ist jetzt dieser neue von Künstler autorisierte Abzug das neue Original? Was geschieht mit dem bisherigen farbveränderten „Original“? Die kurze Antwort hierzu war: Der Künstler hat hier das letzte Wort!

In einem Abendvortrag von Prof. Bertrant Lavédrine aus Paris über die Veränderungen in der Fotografie im Digitalen Zeitalter wurde u.a. die Frage aufgeworfen, ob es ein „digitales Foto“ überhaupt gebe. Da die „Digitalfotografie“ von der klassischen, optochemisch basierten analogen Fotografie abweicht, wäre zu überlegen, ob für Abzüge einer digitalen Foto-Datei nicht ein anderer Terminus gefunden werden müsse. So stellte der Referent in den Raum: „What is a digital photograph? A file? So it is not a photograph! A photograph? So it is not longer digital!“

Vortrag Dr. Inka Graeve Ingelmann // Foto: Mannheimer Versicherung AG

Der zweite Symposiums-Tag wurde mit dem Leitmotiv begonnen: „Bewahren, was noch zu retten ist...“!

International tätige Foto-Restauratoren und Naturwissenschaftler stellten dem aufmerksam lauschenden Publikum aktuelle Untersuchungsmethoden und Projekte zur Erhaltung analoger fotografischer Materialien und digitaler Medien vor. Es wurden u.a. diverse Prüfverfahren erklärt, bei denen die Materialzusammensetzung von historischem Fotomaterial eindeutig geklärt werden kann. Dies sei die Voraussetzung für weitere Überlegungen zur geeigneten Lagerung. So müssen alte Filme und Negative aus Cellulosenitrat aufgrund ihrer Selbstentzündungs- und Explosionsgefahr entsprechend sicher gelagert werden.

Weiterhin wurde vorgestellt, wie der chemische Alterungsgrad von Filmträgern geprüft werden kann, bevor visuelle Veränderungen mit bloßem Auge überhaupt wahrnehmbar sind. Solch erkanntes, besonders gefährdetes Fotomaterial kann somit rechtzeitig fachgerecht gelagert werden. Dabei ist sich die Fachwelt einig: Film- und Fotomaterial sollten nach Möglichkeit so kühl und trocken wie möglich aufbewahrt werden, um den chemischen Zersetzungsprozess zu verlangsamen. Aufhalten lässt er sich leider nicht.

Weitere Denkanstöße gab ein Vortrag, der sich mit Fragen der digitalen Langzeitsicherung von Fotodateien und deren Lesbarkeit auseinandersetzte. Wie lange können meine digitalen Original-Dateien von der zeitgenössischen Technik gelesen werden? Durch Umwandlung der Dateien in aktuellere Formate ist zwar die Lesbarkeit gewährleistet, doch wird damit die Datei selbst verändert. Ist diese Veränderung des Originals auch für den Künstler tatsächlich von Bedeutung?

Das äußerst informative und vielseitige Fotosymposium, in deren Pausen an allen Ecken weiterdiskutiert worden ist, war für die Veranstalter ein großer Erfolg. Das teilnehmende Fachpublikum verließ die Veranstaltung mit wichtigen neuen Erkenntnissen und Denkanstößen – aber auch mit einem etwas mulmigen Gefühl, was die eigenen Fotobestände angeht.

Text: Dr. Carola Schenk

Auch interessant: Bis zum 31. März 2019 findet die Ausstellung LAND__SCOPE – Fotoarbeiten von Roni Horn bis Thomas Ruff aus der DZ BANK Kunstsammlung im Münchener Stadtmuseum statt. Weitere Informationen finden Sie rechts unter dem Reiter Links.


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