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Kunstszene

Alfred Ehrhardt - Musiker, Fotograf, Maler, Dokumentarfilmer und Autor

Musiker, Fotograf, Maler, Dokumentarfilmer und Autor

Die ALFRED EHRHARDT STIFTUNG, mit Sitz in Berlin, kümmert sich um die Erschließung des fotografischen, filmischen, malerischen und dokumentarischen Nachlasses von Alfred Ehr-hardt. Sie wurde Ende 2002 in Köln vom Sohn des Künstlers, Dr. Jens Ehrhardt mit dem Ziel gegründet, das künstlerische Werk seines Vaters wissenschaftlich aufzuarbeiten und zu ver-breiten. Die Stiftung gibt in diesem Artikel einen Einblick in das Leben des Künstlers und beschreibt ihr Ausstellungskonzept.

Alfred Ehrhardt bei den Dreharbeiten in Flandern Alfred Ehrhardt Stiftung (© VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Wer aber war Alfred Ehrhardt, dem eine Stiftung eingerichtet wird? Alfred Ehrhardt gilt heute als herausragender Vertreter der deutschen Avantgardefotografie. Auch zählt er mit seinen „absolut künstlerischen Filmen“ zu den Altmeistern des Kultur- und Dokumentarfilms in Deutschland.

1901 in Triptis geboren, war Ehrhardt zunächst ausgebildeter Organist. Er führte im norddeutschen Raum Orgelkonzerte auf, erste eigene, moderne Kompositionen entstanden. Nach einem freien Studium der bildenden Künste unterrichtete er an dem reformpädagogischen Landerziehungsheim Dr. Max Bondy in Gandersheim die Fächer Kunst, Musik, Gymnastik und Leichtathletik.

1926/27 malte er die Krypta der benachbarten Klosterkirche zu Lamspringe aus. Er wurde von der Schulleitung 1928 als Student und Hilfslehrer an das Bauhaus nach Dessau geschickt, um die neuartigen Unterrichtsmethoden, vor allem den dortigen Vorkurs zu studieren. Er übertrug diese innovative Materialkunde im Jahr darauf auf seinen Unterricht mit den Schülern.

1930 wurde er von Max Sauerlandt an die Landeskunstschule berufen, um eine neue Materialstudienabteilung einzurichten. 1931 richtete ihm der Kunstverein Hamburg eine erste Malerei-Ausstellung aus.

1933 ging er nach Cuxhaven, um eine Stelle als Organist anzutreten, nachdem ihn die Nationalsozialisten aus dem Hochschuldienst entlassen hatten. Dort entdeckte er im vorgelagerten Watt die Strukturen, die die Natur in Form von Sand, Wind und Sonne gezeichnet hat. Er hält sie in einer umfassenden Serie über mehrere Jahre fotografisch fest. Ein Jahr später führte ihn eine Fotoexkursion auf die Kurische Nehrung.

1936 wurde seine erste fotografische Ausstellung in Hamburg eröffnet – viele sollten weltweit folgen. Er begann mit ersten Filmaufnahmen. 1948 Gründung der Produktionsgesellschaft „Alfred-Ehrhardt-Film“.

Zeit seines Lebens war Ehrhardt in seinem fotografischen und auch filmischen Werk getrieben von einer naturphilosophisch fundierten Kunstauffassung. Annähernd 50 Dokumentar- und Kulturfilme entstanden bis 1973, dabei richtete Alfred Ehrhardt den Fokus auf

  • Natur/Naturdinge – Watt, Island, Portugal, Madeira, Grönland, Kristalle, Muscheln und Schnecken, Korallen, Schwämme
  • Kultur/Handwerk – Portugiesische Architektur, Tabakherstellung, Korkgewinnung, Fischfang, Portwein 
  • Kunstwerke und ihre Künstler – Ernst Barlach, Tilman Riemenschneider, Bordesholmer Passionsaltar etc.
     

Parallel zu den Filmaufnahmen fotografierte Ehrhardt stets auch mit der Fotokamera. Diese Aufnahmen mündeten in knapp 20 Buchveröffentlichungen. 1984 verstarb Ehrhardt in Hamburg.

Text: ALFRED EHRHARDT STIFTUNG 

Bildergalerie

Die Stiftung richtete eine Stelle ein, um den künstlerischen Nachlass Ehrhardts, bestehend aus Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Fotografien, Negativen, Filmen und Dokumenten zu inventarisieren und betreuen. Dabei handelt es sich um etwa 10.000 Fotografien (Silbergelatineabzüge), 1.000 Glasnegative, 5.000 Zelluloidnegative, 100 Glasdias und ungefähr 120 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken. Die Inventarisierung in Form von hochauflösenden Scans der Negative bzw. Abzüge und der Übertragung in eine Datenbank, die den Anforderungen der Stiftung angepasst wurde, wird in absehbarer Zukunft abgeschlossen sein. Unsere freiberufliche Restauratorin hat den fotografischen Archivbestand gesichtet und gereinigt/konserviert/restauriert, wo dies dringend notwendig war. Diese Arbeiten sind ebenfalls fast abgeschlossen (August 2018). Das malerische Werk wird in einem Außenlager verwahrt, einige wenige Gemälde sind noch in Familienverwahrung. Sämtliche Manuskripte, Typoskripte, Notizhefte, Zeitschriften, Zeitungsauschnitte und Bücher aus Ehrhardts Bibliothek, die für Forschungszwecke von Relevanz sein können, stehen für die Öffentlichkeit auf Nachfrage und Voranmeldung zur Verfügung. Die über 50 Filme werden überwiegend im Bundesarchiv Filmarchiv Berlin aufbewahrt.

Die Stiftung betreut auch das im Frühjahr 2008 eröffnete ALFRED EHRHARDT HAUS im thüringischen Geburtsort des Künstlers Triptis bei Gera.

2010 zog die Stiftung von Köln nach Berlin, um mehr Öffentlichkeit zu erreichen. Ein ca. 135 qm-großer Ausstellungsraum in Berlin-Mitte konnte angemietet werden, dort ist das Archiv untergebracht und wechselnde Ausstellungen werden ebenfalls präsentiert. Dabei liegt ein besonderer dialogischer Ansatz in Form von Gegenüberstellungen zeitgenössischer Positionen, die sich in Anlehnung an Ehrhardts Werkthemen mit dem Begriff der »Natur« und den »Konstruktionen des Natürlichen« auseinandersetzen, mit historischer Fotografie und Filmkunst von Alfred Ehrhardt. Dieser Dialog wird in Form von Veranstaltungen und Gesprächen – es wurde eigens das „Literaturhaus der Fotografie“ mit dem Kurator Thomas Böhm gegründet – fortgeführt und durch begleitende Publikationen ergänzt.

Alfred Ehrhardt Haus_Triptis_Blick außen © Alfred Ehrhardt Stiftung

Alfred Ehrhardt, Fischerboote im Hafen, Ericeira, Portugal, 1951, Gelatinesilberabzug, © bpk  Alfred Ehrhardt Stiftung

Alfred Ehrhardt Haus_Triptis_Blick innen © Alfred Ehrhardt Stiftung

Alfred Ehrhardt, Querschnitt durch ein Nautilus Gehäuse, 1940 41, Gelatinesilberabzug, © bpk  Alfred Ehrhardt Stiftung

Alfred Ehrhardt Stiftung_Berlin_Ansicht Ehrhadrt Gemälde 2015 © Alfred Ehrhardt Stiftung

Alfred Ehrhardt Stiftung_Berlin_Ansichten Nautilus 2018 © Alfred Ehrhardt Stiftung

Alfred Ehrhardt, Das Urstromtal des Markarfljót, Island, 1938-1939, Gelatinesilberabzug, © Alfred Ehrhardt Stiftung

Alfred Ehrhardt Stiftung_Blick Archiv 01 © Alfred Ehrhardt Stiftung

Alfred Ehrhardt Stiftung_Blick Archiv 02 © Alfred Ehrhardt Stiftung

Alfred Ehrhardt_Korallen_Inhalt Schachtel Glasnegative © Alfred Ehrhardt Stiftung

Alfred Ehrhardt_Watt_Glasdias Box_innen © Alfred Ehrhardt Stiftung

Alfred Ehrhardt, Sanddüne, Kurische Nehrung, 1934, Gelatinesilberabzug, © Alfred Ehrhardt Stiftung

 


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