Kunstszene

Auf den Spuren van Goghs in der Provence

"Vielleicht hat Gott mich zu einem Maler gemacht für Menschen, die noch gar nicht geboren sind", sprach Willem Dafoe alias Vincent van Gogh im kürzlich gelaufenen Kinofilm Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit.


In den letzten 10 Jahren seines Lebens entstanden die meisten seiner insgesamt fast 2.000 Malereien und Zeichnungen. Verkaufen konnte er jedoch zu Lebzeiten nur eine einzige Arbeit.
Und heute? Heute gilt van Gogh als Begründer der modernen Malerei. Seine Werke, die zu einem Großteil seine unendlich große Liebe zur Natur in allen nur denkbaren Farben zeigen, werden heute von vielen Menschen geliebt. So sehr, dass sie noch bis 5. Januar 2020 im Zentrum einer ungewöhnlichen, digitalen Ausstellung stehen, die in ihrer Monumentalität ihresgleichen sucht: Die „Sternennacht“ („La Nuit Étoilée“) im ehemaligen Bauxit-Steinbruch von Les Baux de Provence. Dabei werden van Goghs Malereien in überdimensionaler Größe an die Felswände und auf den Boden projiziert und in Form einer Multimediashow mit passender Hintergrundmusik hinterlegt. Der Besucher bewegt sich also nicht nur durch die Ausstellung, sondern ist zugleich mittendrin.

Auf einer kulturellen Rundreise durch die Provence begab sich unsere Kollegin u.a. auf die Spuren van Goghs. Sie erlebte nicht nur die „Carrière de Lumières“-Show live, sondern besichtigte auf ihrer Reise auch die untrennbar mit van Gogh in Verbindung stehende Stadt Arles und die beiden Kliniken, in denen der Künstler behandelt wurde.  ARTIMA möchte ihre Eindrücke mit Ihnen teilen. Wir haben uns deshalb noch etwas mehr erzählen und von der Begeisterung anstecken lassen: 

Welche Stationen hast Du besucht, um Dich auf die Spuren van Goghs zu bewegen?
Auf der Rundreise durch die Provence haben wir uns einen ganzen Tag in Arles aufgehalten, wo van Gogh zwischen Februar 1888 und Mai 1889 gelebt und in dieser Zeit äußerst produktiv war. An vielen Stellen, wo der Künstler damals seine Staffelei aufgestellt hatte, stehen Tafeln, die besagen, welches Kunstwerk genau dort entstanden ist. Unser Weg führte uns auch in die Altstadt, wo wir die Espace van Gogh besichtigt haben. Das ist das alte Krankenhaus von Arles, wo van Gogh wieder „zusammengeflickt“ wurde, nachdem er sich das Ohr abgeschnitten hatte. Zum Besuch der „Fondation Vincent van Gogh Arles“ fehlte an diesem Tag leider die Zeit, was ich sehr bedaure.
In Saint-Rémy-de-Provence haben wir dann die alte Abtei Saint-Paul-de-Mausole besucht, die seit der französischen Revolution als psychiatrische Heilanstalt genutzt wurde. Hier hat sich van Gogh über ein Jahr freiwillig behandeln lassen.
Eines meiner persönlichen Highlights der Reise war der Besuch von „Carrière de Lumière“ – eine multimediale Präsentation von van Goghs Werken in einem stillgelegten Steinbruch in Les Baux de Provence.

Welchen Eindruck haben die Erlebnisse dieser Reise bei Dir hinterlassen?
Die Provence ist einfach eine andere Welt und hat viel Ähnlichkeit mit der Toskana, wie ich finde. Die abwechslungsreiche und sattgrüne Naturlandschaft mit kleinen Dörfern und uralten Häusern hatte eine sehr beruhigende Wirkung auf mich. Mit jedem Blick bieten sich neue, romantische Motive, die man festhalten möchte. Kein Wunder, dass diese Fülle und das besondere Licht van Gogh, Cézannes und so viele andere Maler inspiriert hat. Wenn man die Provence mit allen Sinnen bereist, kann man genau dieses Lebensgefühl nachempfinden, das ihre Kunstwerke zum Ausdruck bringen.

Gab es Momente oder Stationen, die Dir ganz besonders in Erinnerung geblieben sind und wenn ja, warum?
In Saint-Rémy haben wir das Kloster und spätere Sanatorium St-Paul-de-Mausole besucht. Hier kann man die Vergangenheit quasi spüren; man hat das Gefühl, van Gogh selbst und die Patienten kommen gleich um die Ecke, so präsent sind sie.
Das Sanatorium ist ein Ort der Ruhe, man hört nur Vogelzwitschern und die leisen Unterhaltungen einiger Touristen. Es gibt einen herrlichen Kreuzgang und einen provenzalischen Garten, in dem Reproduktionen von van Goghs Bildern ausgestellt sind.
Originalrelikte von damals zeugen davon, mit welchen, teils drastischen Methoden psychisch kranke Menschen damals behandelt wurden – Gänsehaut garantiert. Die originalgetreue Rekonstruktion von van Goghs kleiner Stube im ersten Stock zeigt die bescheidenen Bedingungen, unter denen er und seine Mitpatienten damals gelebt haben.

Du erwähntest auch das Erlebnis der „Carrière de Lumières“: Wie hast Du Dich während der Show gefühlt?
Van Goghs Bilder werden in überdimensionaler Größe an die Wände und auf den Boden projiziert – untermalt von grandioser Musik in Dolby-Surround-Qualität. Man taucht ein in ein Meer von Farben und Klängen und fühlt sich quasi als Teil der Bilder – ein Genuss für die Sinne, den man nicht vergisst. Eine derartige Präsentation von Kunst habe ich noch nie erlebt und ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Weitere Informationen:

  • Van Gogh: Sternennacht („La Nuit Étoilée“) 01. März – 05. Januar 2020
    Carrière de Lumières, Les Baux de Provence https://www.carrieres-lumieres.com/
  • Mehrere Reiseveranstalter bieten kulturelle Reisen u.a. in die Provence an. Studiosus bietet z.B. die Reise Kunstlandschaft Provence & Cote d‘Azur an, auf der Reisende unterschiedliche Stationen van Goghs erleben können.  

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