Kunstszene

#digitalart - Die Kunst mit Licht zu malen

Neue ARTIMA-Reihe stellt fünf Künstler der Münchner Kreativszene vor

Auch in der Kunstszene hat das digitale Zeitalter bereits durch seinen zunehmenden Einfluss das kreative Schaffen stark geprägt und nachhaltig verändert. Für ARTIMA haben wir mit fünf Vertretern der Münchner Kreativ-Szene gesprochen und stellen jeden Monat innerhalb der Reihe #digitalart einen Künstler vor.

Foto: © Shutterstock | 1812206230

Eine kurze Einführung in die digitale Kunst
Täglich entwickelt sich die Forschung im Bereich moderner Technologien mit einem rasanten Tempo weiter und sprengt mit ihren neuen Erfindungen die Vorstellungskraft des Menschen. Über das Internet lassen sich digitale Trends schnell verbreiten und es eröffnen sich stetig neue Möglichkeiten alle Lebensbereiche im Alltag mit innovativen Technologien zu verändern. Auch in der Kunstszene hat das digitale Zeitalter bereits durch seinen zunehmenden Einfluss das kreative Schaffen stark geprägt und nachhaltig verändert. Egal ob es sich dabei um Software, elektronische Geräte, künstliche Intelligenz, Codes oder mathematische Algorithmen handelt, getrieben von ihrem nie versiegenden Schaffensdrang und der unendlichen Kreativität streben Künstler immer weiter nach neuen, avantgardistischen Werkzeugen und Wege um ihrer kühnen Vorstellungskraft einen bildhaften Ausdruck zu verleihen.

Die Digitale Kunst steht erst am Anfang ihrer Entwicklung und bietet dem Künstler schon jetzt ein breites Spektrum an Möglichkeiten, traditionelle Techniken zu optimieren und die Dimensionen der Malerei zu erweitern. Herkömmliche Mittel wie Stifte, Pinsel, Farben und Leinwände werden ersetzt durch Licht und Pixel auf Bildschirmen. Mit hochauflösenden Beamern und digitalen Kartierungsmethoden können Videos und Bilder auf beliebige Flächen projiziert und erweitert mit akustischen Untermalungen als audiovisuelles 3DProjektionsmapping wiedergegeben werden. Diese Videosequenzen können sich in Dauerschleife als Loops automatisch wiederholen oder von VJs (Visual Jockeys) live vor Ort aus ihrem Fundus von Animationen, Fotos oder Videos individuell zusammengestellt und abgespielt werden. Zusammen mit LJs (Light Jockeys) sind beide in der Clubkultur und auf Konzerten feste Bestandteile, die sich künstlerisch und technisch seit den 80er Jahren stetig weiterentwickelt haben und heute als Wegbereiter für die modernen Projektionsmappingkünstler gelten.

Nicht nur leere Worthülsen sondern ganz neue Berufe
Mit der Zeit resultierte daraus der neue Begriff „Visualist“ als Bezeichnung für Personen, die losgelöst von Musikveranstaltungen und frei in ihrer eigener Kreativität visuelles Material während ihrer Performance mit Hilfe generativer Softwares und künstlicher Intelligenz in Echtzeit generieren. Durch diese kreative Freiheit und die ständig wachsenden technischen Möglichkeiten im Bereich des audiovisuellen Videomappings entstehen somit immer detailgetreuere und aufwändigere immersive Rauminstallationen, welche die Illusion einer virtuellen Realität noch eindrucksvoller und realistischer erscheinen lassen.

Mit der Digitalen Kunst ergeben sich nicht nur neue kreative Alternativen, sondern auch neue Berufe, für die aufgrund der Aktualität noch keine eigenen Ausbildungsgänge existieren. Die Kompetenzen und das umfangreiche Wissen müssen bisher noch autodidaktisch und durch viel praktische Erfahrung erworben werden. Um die berufliche Vielfalt und das unerschöpfliche Potential der Digitalen Kunst aufzuzeigen, werden in der folgenden Interviewreihe fünf verschiedene Akteure aus der Münchner Kreativ-Szene vorgestellt.

Interviewreihe mit der Münchner Kreativ-Szene
Ein Urgestein der Szene ist der VJ-Künstler Peter Becker, welcher am Institut für Kunstpädagogik der LMU über zehn Jahre als Dozent tätig war. Mit seinen regelmäßigen Veranstaltungen zur Elektronischen Bild- und Klangforschung leistete er einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung der Digitalen Kunst in der praxisbezogenen Bildung.

Als erfolgreichste Videokünstlerin Münchens hat sich Betty Mü bereits über Jahre einen Namen gemacht. Durch ihren kreativen Stil und ausdrucksstarken Video-Content hat sie sich eine unverwechselbare Handschrift erarbeitet und erleuchtet damit regelmäßig das Abendbild der Stadt.

Raphael Kurig ist ein Video Designer, der den Beruf des Bühnenbildners mit seinen digitalen Kreationen neu definiert. Bekannt ist er vor allem für seine eindrucksvollen Licht und Videoinstallationen am Gärtnerplatztheater.

Der freischaffende Lichtkünstler Phillipp Frank ergründet mit seiner Kunst die Verbindung zwischen Geometrie, Natur und Spiritualität. Seine atemberaubend schönen Lichtinstallationen und Projektionsmappings lassen gewöhnliche Objekte sowie Flora und Fauna in einem neuen Licht erstrahlen.

Dass Kunst und Wissenschaft sich vereinen lassen, beweist Mario Klingemann. Mit Datensammlung, Algorithmen und Codes erschafft er durch maschinelles Lernen eine künstliche Intelligenz, die Ähnlichkeiten und bestimmte Merkmale in Gesichtern sowie Objekten erkennt und diese automatisch miteinander verschmelzen lässt.

Die Technik wird sich zweifellos explosionsartig weiterentwickeln und somit wird das weitreichende Potential im Bereich der Digitalen Kunst auch unaufhaltsam mitwachsen. Weltweit etablieren sich nach und nach immer mehr Museen und Artspaces, die sich ausschließlich mit Digitaler Kunst befassen wie das TeamLab Borderless in Tokio und das Atelier des Lumières in Paris sowie das Museum of Digital Art in Zürich. In Deutschland
wurde das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien bereits seit 1989 gegründet. Wann die Kunst- und Kulturmetropole München nachziehen wird, ist womöglich nur noch eine Frage der Zeit. Daher bleibt es spannend zu beobachten, welche neuen Möglichkeiten sich für Kreative durch moderne Technologien noch eröffnen lassen. Es bleibt dabei noch völlig offen, ob die Digitalisierung eines Tages die traditionellen Mittel des künstlerischen
Schaffens durch technische Tools gänzlich ersetzen wird…

Text von Gastautorin: Ánh Nguyen
© Ánh Nguyen | Art Management & Consulting



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