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Kunstszene

Ein Besuch der Blickachsen 12

ARTIMA auf der Skulpturen Biennale

Bei sommerlichen Temperaturen war ARTIMA Anfang August zu Besuch auf der Skulpturen Biennale "Blickachsen 2019". In diesem Jahr lud diese bereits zum 12. Mal Kunstfreunde aus der ganzen Welt dazu ein, zeitgenössische Skulpturen und Installationen im Umfeld historischer Parklandschaften zu erleben. Sechzig dreidimensionale Werke von rund dreißig Künstlerinnen und Künstlern sind an sechs Standorten ausgestellt. ARTIMA stellt 5 Arbeiten vor:

Alicja Kwade: Wächter (Anschauungsvorstellung), 2019, Blickachsen 12, Bad Homburg

Die erste Arbeit befindet sich im Schlosspark in Bad Homburg, auf einer Wiese umgeben von wunderschönen Blumenbeeten und einem Blick auf die 4 Kirchtürme der Erlöserkirche. Die Künstlerin Alicja Kwade mit der Arbeit "Wächter" (Anschauungsvorstellung) lenkt das Augenmerk auf fünf bildhauerische Materialien –auf ihre Beschaffenheit, Farbigkeit und Möglichkeiten. Die abstrakte Komposition umfasst vier unterschiedlich proportionierte und ausgerichtete Blöcke aus Carrara-Marmor, Rosengranit, Sandstein und Eichenholz sowie einen lebensgroßen Zylinder aus Aluminium. Die Objekte erscheinen als Rohmaterial für Skulpturen, die erst noch entstehen müssen. So regt Kwade mit ihren positionierten "Wächtern" die Vorstellung der Betrachter an und thematisiert zugleich den jahrhundertalten Topos des Künstlergenies, das bereits im unbehauenen Block die abgeschlossene Figuration imaginiert.

Sirous Namazi: Untiteld (fence), 2019, Blickachsen 12, Bad Homburg

Weiter auf dem Weg zum Schlossparkweiher trifft man auf eine Arbeit von Sirous Namazi mit dem Titel "Untiteld" (fence). Man erkennt zunächst ein Zaunquadrat, das weiß und ordentlich, weder zu hoch noch zu niedrig, ganz einem vorstädtischen Gartenzaum entspricht. Erst beim Herantreten an Namazis unbetitelten Zaun wird deutlich, das darin weitere sieben in absteigender Höhe gestaffelte Zäune in ihrem Zentrum eine nur sehr kleine Fläche begrenzen. Durch die perspektivische, nach innen verkürzte Anordnung der Zaunelemente inszeniert der Künstler eine räumliche Erfahrung des Innen: Der Blick fokussiert auf den umgrenzten Flecken Erde und die Wahrnehmung der Größenverhältnisse verkehrt sich: Plötzlich wirkt es, als wüchsen die vielen Zäune nach außen hin zu überdimensionaler Größe an.

Für seine Beschäftigung mit Themen wie Zugehörigkeit, Konsum, Chaos und Ordnung nutzt Namazi häufig architektonische Elemente, Einrichtungsgegenstände und andere gefundene Objekte.

   

Anne Thulin: Double Dribble IV, 2019, Blickachsen 12, Bad Homburg

Vom Schlosspark führte der Weg zum benachbarten Kurpark in Bad Homburg.

Beim Schlendern durch den wunderschönen Park mit altem Baumbestand entdeckt man recht schnell sechs riesige rote Bälle, die scheinbar in die Baumkronen gehüpft sind.

Anne Thulins Installation "Double Dribble IV", die in anderen Versionen bereits in Wanas Konst, Paris und Washington zu sehen war, lenkt den Blick nach oben und fokussiert die Aufmerksamkeit der Betrachter auf die umgebende Natur. "Ich möchte eine Bewegung und Erweiterung des Raumes erzeugen und das Vorhersagbare, das Proportionale und das Funktionale in Frage stellen und herausfordern", sagt Thulin. 

Auch der Titel "Double Dribble"(bezeichnet im Baskettball ein unerlaubtes Dribbling)

Bringt Spiel und Kunst miteinander in Verbindung.

Thulin beschreibt ihre Arbeit so: "Es geht um das Unkontrollierbare, die vertrauten Bälle, die an einem unbekannten Ort gelandet sind, ihren eigenen Sprung gemacht haben, ihre eigenen Grenzen durchbrochen haben, weg vom Offensichtlichen, Vorhersehbaren, hin zum schwindelerregendem Zustand, in dem alles möglich ist."   

Winter - Hoerbelt: Donnerstags ist alles gut, 2019, Blickachsen 12, Bad Homburg

Vorbei am Kurparkweiher in Richtung Wasserfontäne steht man plötzlich mitten auf einer Wiese eine 11 Meter lange Röhre aus 900 gelben Wasserkästen. Die Arbeit von Winter/Hoerbelt "Donnerstag ist alles gut" eignet sich sowohl als Ort der Begegnung wie auch zum Ausruhen und Genuss des Ausblicks auf die Wasserfontäne. Als die Sonnenstrahlen langsam zwischen den Wolken hervorkam, offenbarten die Getränkekisten ihre überraschende Schönheit, wenn sie das Licht aufnehmen, es in kleine Lichtpunkte filtern und ihre Farbe voll erstrahlen lassen.

Besonders beeindruckend ist der Gang durch die Röhre mit dem weiten Blick auf die Fontäne.

 

Kaarina Kaikkonen: There Must Be a Way Out of Here, 2019, Blickachsen 12, Bad Homburg

Die letzte Arbeitbefindet sich in der Brunnenallee im Kurpark. Mit dem Blick nach oben gerichtet sieht man 200 Jacketts, die hintereinander aufgereiht sind- voluminös und dennoch leer. Durch ihre Anzahl und die Wiederholung der Pose verschwinden die Kleidungsstücke in der Anonymität, als ginge ein persönliches Schicksal in einem sozialen Gefüge unter. Gleichzeitig suggeriert die Positionierung der auf die Schultern des "Vordermanns" gelegten Ärmel Gemeinschaft und Zusammenhalt.

Die Künstlerin Kaarina Kaikkonen verwendet für ihre Installationen ausschließlich gebrauchte Textilien, die sie unter Beachtung der verschiedenen Farben, Formen und Materialien in immer neuen Konstellationen zusammenfügt. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen spielt sie dabei mit der Eigenschaft von Kleidungstücken, etwas von Identität ihrer Träger anzunehmen und selbst in deren Abwesenheit zu bewahren.  

 

ARTIMA kann einen Besuch der Blickachsen 12 sehr empfehlen, vor allem braucht man aber Zeit um alle Standorte zu besuchen.

 

Die Ausstellung läuft noch bis zum 06. Oktober 2019.

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Weitere Impressionen der vorgestellten Arbeiten


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